Mai 31

Präsenzpflicht vs. Homeoffice – so vermeiden Sie Konflikte!

Corona-Krise, Organisation

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Ein Gastbeitrag von Thomas Rehder.

Der Corona-Lockdown lockert sich zusehends – und damit prüfen auch viele Unternehmen ein „business as usual“. Zumindest wenn die Räumlichkeiten hinreichende Abstände zwischen den Arbeitsplätzen zulassen, ist dies selbstverständlich eine Option. Doch - zumindest gefühlt – nicht für jeden. So mancher Mitarbeiter hat sich sehr gut im Homeoffice eingerichtet, fühlt sich produktiver, selbstbestimmter und oft auch motivierter.

Nachdem die meisten Unternehmen zu Beginn des Lockdowns eher Getriebene waren, müssen sie jetzt Gestaltende sein, indem sie eine weitgehende Rückkehr zum „Vor-Corona-Status“ moderieren und sorgfältig begründen oder – so meine Empfehlung - sorgfältig prüfen, was für die traditionellen Arbeitsweisen spricht, welche Vorzüge das Homeoffice bietet und ob man nicht in einer Mischung aus beidem die beste aller Arbeitswelten schaffen kann – für das Unternehmen und für seine Mitarbeiter. Wobei Mitarbeiter nicht gleich Mitarbeiter und Homeoffice-Situation nicht gleich Homeoffice ist (lesen und hören Sie dazu auch Blogbeitrag und Podcast zu Homeoffice und Teamspirit von Franziska). Ich habe in den vergangenen Tagen häufig erlebt, dass sich viele Alleinstehende und junge Eltern wieder ins Büro sehnen – während sich manch älterer Kollege sehr darüber freut, „zuhause endlich mal so richtig was wegzuschaffen“ und auch künftig auf die Präsenz im Büro sehr gern verzichten würde.

In der Folge drei Empfehlungen, wie Ihre Mitarbeiter und Sie zu einer transparenten, von allen getragenen Entscheidungsfindung kommen, die dann auch von allen Beteiligten engagiert umgesetzt werden kann und sollte.

Photo by Markus Winkler on Unsplash

1. Ziehen Sie so objektiv wie möglich Bilanz

Leider dürften die wenigsten Unternehmen Eckdaten zur Qualität und Produktivität der (Zusammen-)arbeit vor und nach Beginn der Coronakrise erhoben haben. Trotzdem sollten Sie und ihr Team den Versuch unternehmen, beide Zeiträume anhand nachvollziehbarer Kriterien zu bewerten. Solche Kriterien könnten z.B. sein:

  • ​Kam es vor – wenn ja, wie häufig –, dass betriebsrelevante Daten und Systeme nicht erreichbar waren? Wie lange dauerten Ausfälle, wie aufwändig war es, sie zu beheben?
  • Wie gut war und ist die Erreichbarkeit von Mitarbeitern?
  • Funktionieren Abstimmungen und Konferenzen im Team? Das fängt mit der Pünktlichkeit eines Meetingbeginns an, geht über etwaige technische Probleme/Unterbrechungen, die (inhaltliche) Qualität von Abstimmungen bis zur Verbindlichkeit von Arbeitsergebnissen.
  • Wie gut wurden welche Arten von Aufgaben bewältigt? Was blieb vor dem Lockdown liegen oder zog sich in der Abarbeitung, was danach?

Seien Sie bei all dem, unabhängig von Ihrer persönlichen Präferenz, ehrlich zu sich und den Kollegen. Und – auch das gehört zur Ehrlichkeit – setzen Sie die Antworten in ein Verhältnis zum Arbeitsaufkommen des Teams/Unternehmens vor und nach Corona. Wenn in den vergangenen acht Wochen bei 30 - 50 Prozent Arbeitsanfall oder Auftragseingang alles klappte wie am Schnürchen, kann das bei Volllast auch wieder anders ausssehen – zumindest in Teilbereichen.

Photo by Ron McClenny on Unsplash

2. Lernen Sie und denken Sie in Szenarien!

Welche Lehren können Sie aus der Bestandsaufnahme ziehen? Fiel beispielsweise auf, dass Kollegin X vor Corona weit schlechter zu erreichen war als danach (weil sie viel Zeit in Meetings oder außer Haus verbrachte)? Oder wurden Projekte in den letzten Wochen besser/produktiver abgearbeitet als zuvor? Wo merkt man, dass persönliches Verständnis erodiert, wo wird das Team vielleicht auch stärker? Welche technischen Hemmnisse bestehen nach wie vor – sind sie abstellbar oder bedeuten sie sogar ein klares „Nein“ für langfristiges Homeoffice?

Schwarz und weiß sind ohne Grund keine Farben, und auch wenn Sie die künftigen Rahmenbedingungen der Arbeit in Ihrem Unternehmen analysieren und diskutieren, sollten Sie Schwarzweißmalerei vermeiden. Brechen Sie bis auf die jeweilige Funktion und den individuellen Mitarbeiter herunter, welche Szenarien für das Unternehmen und ihn überhaupt sinnvoll, machbar oder wünschenswert sind. Leiten Sie daraus langfristig umsetzbare Möglichkeiten für den Einzelnen, für das Team und schließlich die gesamte Betriebsorganisation ab. Beschränken Sie sich nicht auf ein Szenario - durchdenken Sie mehrere Optionen. Machen Sie allen Beteiligten klar, dass mögliche Gewinne auf der einen Seite (z.B. 50% Homeoffice) auf einer anderen Seite dazu führen müssen, etwas abzugeben (z.B. den eigenen, festen Arbeitsplatz im Büro).

Und vergessen Sie den Kunden nicht. Was erwartet er künftig von Ihnen und Ihren Mitarbeitern. Ist er vielleicht ebenfalls ganz froh, wenn mehr Videokonferenzen anstelle von Besuchen treten? Wenn er statt eines Statusmeetings einen laufenden Einblick in den Prozessfortschritt bekommt? Wo drohen Wettbewerbsnachteile, wo können Sie sich profilieren und die Nase vorn haben?

Photo by William Iven on Unsplash

3. Bewerten Sie – auch monetär!

Was würden die für Unternehmen und Mitarbeiter attraktivsten Szenarien für Produktivität und Wirtschaftlichkeit bedeuten? Ziehen Sie dafür auch alte Gewohn- und Gepflogenheiten in Zweifel – sonst bleiben wichtige Potenziale ungenutzt!

Lassen sich langfristig Kosten senken – etwa durch geringeren Mietaufwand, wenn weniger Arbeitsplätze in Zentrale und Niederlassungen vorgehalten werden müssen? Geringere Reisekosten? Werden weniger Konferenz- und Meetingräume benötigt, weil es mehr „nicht präsente“ Videokonferenzen gibt, denen einige Teilnehmer aus dem Büro, andere von zu Hause aus beiwohnen? Vielleicht steigt hingegen der Bedarf an Zonen zum zwanglosen Treffen, zum Plausch in der Teeküche? Oder die Fortbildung wird umorganisiert – mehr online und virtuell, statt in Hotels und Seminarzentren?

Machen Sie die Gegenrechnung auf – möglicherweise müssen Sie in die sichere und gesundheitsschützende Ausstattung der Heimarbeitspätze investieren. Vielleicht kommen auch neue, laufende Kosten für die Nutzungsentgelte der Mitarbeiterräume (Miete, Heizung, Strom, Internet) auf Sie zu.

Last but not least: Teilen Sie alle, auch die monetären, Erkenntnisse. Jeder Mitarbeiter will persönlichen Erfolg, wünscht aber auch nachhaltigen Erfolg für sein Unternehmen. Finden Sie Lösungen, die beides verbinden!

Photo by Concertkit on Unsplash

​Zusammenfassung und Checkliste zum Download

​Für gut acht Wochen haben viele Mitarbeiter und Unternehmen wie in einem Labor gearbeitet – einem Labor zu anderen Formen der Arbeit und der Zusammenarbeit.

Kehren Sich nicht ohne Not zum Zustand davor zurück. Bewerten Sie gemeinsam mit den Mitarbeitern, was im Homeoffice gut – vielleicht besser – funktioniert hat, was schlechter und wo sogar Risiken liegen.

Entwickeln Sie Szenarien, die Mitarbeiterwünsche, Funktionsanforderungen und die Unternehmenssituation – nicht zuletzt im Verhältnis zu seinen Kunden – berücksichtigen.

Denken Sie diese Szenarien auf Heller und Pfennig durch, auch im Zeithorizont, und machen Sie auch diese Überlegungen transparent.

Dann handeln Sie – gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern, unter Einbeziehung und Abstimmung mit Ihren Kunden.


Hinterlegt haben wir eine Checkliste, die dabei hilft, die Rahmenbedingungen für Arbeit im Homeoffice zu bewerten.

​Ein Beitrag von

Thomas Rehder

Es stimmt: mit manchen Projekten war ich ein paar Jahre zu früh dran – z.B. mit der weltweit zweiten Zeitschrift zu Apples Mac. Doch einer muss ja anfangen, oder? Und häufig sichert rechtzeitiges Erscheinen auch die besten Plätze! ​Wenn Sie Potentiale in ​Märkten, Unternehmen und ​Produkten suchen und daraus Weichenstellungen, Handlungsschwerpunkte und stimmige Erzählungen ableiten wollen, freue ich mich auf einen persönlichen Kontakt!

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